DER HEILIGE SEBALD

Sebaldus ist kein Märtyrer, Bischof oder Papst gewesen. Einigermaßen gesichert gilt nur, dass er in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts im Nürnberger Raum gelebt hat, dort gestorben ist und bestattet worden ist.

Obwohl in Nürnberg schon seit Mitte des 13. Jahrhunderts als Heiliger verehrt, wird Sebaldus erst 1425 von Papst Martin V. offiziell heilig gesprochen. Dargestellt wird er gewöhnlich als Pilger mit Stab, Hut und der Jakobsmuschel als Pilgerzeichen, der seine Kirche unter dem Arm trägt. Im Jahr 1070 taucht sein Name zum ersten Mal in den Quellen auf. Viele Menschen seien zu ihm gekommen, heißt es dort, er habe verschiedene Wunder vollbracht und Kranke geheilt. Zahlreiche Legenden ranken sich um sein Leben, von dem kaum etwas überliefert ist.


SEBALDUSLEGENDE

So heißt es etwa, er sei auf seinem Mantel bei Regensburg über die Donau spaziert. Ein anderes Mal wird berichtet, er habe bei der Familie eines geizigen Köhlers aus Einzapfen ein Feuer entfacht und so die Kaltherzigkeit des Familienoberhaupts zum Schmelzen gebracht. Selbst seine Finger konnten im finsteren Wald auf Bedarf leuchten, damit ein Bauer seine beiden Kühe wiederfinden konnte.


SEBALDUSFRÖMMIGKEIT

Mit dem Aufschwung der Reichsstadt und dem Aufblühen des Handels verbreitet sich über die Nürnberger Kaufleute die Sebaldusfrömmigkeit. Sebald wird zum unumstrittenen Stadtpatron, obwohl er anscheinend ein vergleichsweise unspektakuläres Leben geführt hat. Sebaldus blieb als Stadtheiliger Nürnbergs immer ein Lokalheiliger. Die Patrizier wählten den Einsiedler und Pilger als Galionsfigur und bekundeten so demonstrativ ihre Unabhängigkeit von den umliegenden Bischofsstädten Bamberg, Eichstätt, Regensburg und Würzburg. Daneben fungierte Sebaldus im Ringen mit den Nürnberger Burggrafen als Verbündeter. Mit ihrem Heiligen schufen sie ein eigenes Markenzeichen für Nürnberg, das sie als Repräsentanten der freien Reichsstadt auf ihren Handelswegen verbreiteten. Zuhause bauten, erweiterten und statteten sie ihre Pfarrkirche mit zahlreichen Stiftungen aus als Ausdruck ihrer Frömmigkeit und ihres reichsstädtischen Selbstbewusstseins.