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NAHAUFNAHME: SEBALDER KUNSTWERKE MEDITIERT

 

 

  

 

Mitten in der Kirche, die von ihm den Namen bekommen hat, schaut diese Figur des heiligen Sebald ins Kirchenschiff. Viel Gold haben die Künstler vor etwa sechshundert Jahren für diesen Sebald gebraucht. Auf Engelsflügeln wird er getragen. So lieb und wertvoll war er damals den Nürnbergern. Und er wiederum trägt "seine" Kirche ausgerechnet auf dem linken Arm, nahe beim Herzen. Ihm liegen ganz augenscheinlich die am Herzen, die in diesen Kirchenraum kommen - mit ihrer Freude, mit ihrem Kummer, mit ihrer Neugier.

Königliches Gold trägt er, und eine Krone steht neben seinen Füßen. Für die aufstrebende europäische Metropole Nürnbergs musste es schon ein Stadtpatron von Rang sein. Doch der legt die Krone beiseite, nimmt stattdessen den Pilgerstab und heftet sich die Pilgermuscheln an den Hut, um Gott und den Menschen zu dienen.

Aus dem Nebel der Geschichte kommt Sebaldus. Als Einsiedler oder Pilger hat er wohl im Wald rund um Nürnberg gelebt. Vor knapp tausend Jahren pilgern zum ersten Mal Menschen zu seinem Grab und erfahren dort Gutes und Heilungen. Ein Märtyrer war er nicht, aber ganz offensichtlich fühlen sich viele Menschen bei ihm gut aufgehoben - so gut, dass die Nürnberger ihre erste Pfarrkirche an seinem Grab bauen und ihr seinen Namen geben, schon lange, bevor er auch offiziell heilig gesprochen wurde.

Für die lutherisch gewordenen Nürnberger war der Heilige nicht mehr so wichtig, trotzdem hüteten sie sein Grab auch in den Zeiten der schlimmsten Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Evangelischen. Gerade in Zeiten, in denen es die ökumenische Idee etwas schwieriger hat, bleibt Sebaldus und ein Symbol für die Verbindung und Verbundenheit zwischen den Konfessionen. und vielleicht wird ihm eines Tages ja zu den vielen Wundern, die von ihm erzählt werden, auch ein neues Wunder zugeschrieben, dass Katholiken und Protestanten auch ganz offiziell miteinander Abendmahl feiern können.

 

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