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Das zwölfte Wandfeld des Nordschiffes von St.Sebald ist leer, weder durch historische Gestaltung noch andere Nutzung belegt. Dieser strukturelle Leerraum soll in einen konzeptionellen Freiraum für Gegenwartskunst umgewandelt werden. Mit solchem konzeptionellen Freiraum für zeitgenössische und damit zeitgemäße Kunst öffnet sich St. Sebald sichtbar der Kultur vor ihren Toren. Kunst tritt ein in den Kirchenraum und nimmt Beziehung auf zum Kirchenraum, seiner Prägung und dem, was darin geschieht und gefeiert wird.

 

Der Kirchenbau und -raum von St. Sebald ist Kunst. In der Begegnung mit Gegenwartskunst wird die Anbindung versucht an den künstlerischen Ausdruck der Gegenwart. Die Auseinandersetzung mit christlichen Antworten auf die existenziellen Fragen bleibt im europäischen Kulturraum keinem/keiner Künstler/in erspart.

 

Kunst und Kirche sind verbunden dadurch, dass sie beide anknüpfen an dieselben existenziellen Phänomene des Daseins (Leben, Tod, Zeit, Rhythmus, Chaos etc.). Kunst wiederholt allerdings nicht mehr einfach die christlich-kirchlichen Antworten, sondern soll geachtet werden als Gesprächspartnerin mit eigener Würde und Wichtigkeit. Ein spannender Dialog entsteht gerade im Nebeneinander von möglicherweise Widerstrebendem.

 

Weil Kunst und der Raum des Glaubens einander verwandt sind in Illusions- und Ideologiekritik, erwarten wir anrührende und konstruktive Begegnungen, die beide Gesprächspartner weiterbringt.

 

Vermittlung ist konzeptionelles Gebot. Kunst soll im Rahmen des Kirchenraumes als Eigenes und damit Verschiedenes, aber eben auch Verwandtes wahrgenommen werden können. Vermittlungsangebote, die gerade auch den Dialog und Austausch mit dem/der Künstler/in ermöglichen, gehören zur Mitte des Konzepts.

 

Der Ort des Wandfeldes im Eingangsbereich liegt ausgesprochen günstig, weil der frühe Überraschungseffekt, Kirche ganz anders und neu zu erfahren, zur Auseinandersetzung anregt. Dennoch soll dieses Wandfeld nicht der einzige
Ort für Gegenwartskunst bleiben. Greifen KünstlerInnen darüber hinaus, soll dieses Wandfeld als struktureller Freiraum der Ort der Information und Vermittlung bleiben.

 

Zweimal im Jahr (Passionszeit und Mitte September bis Ende Oktober) ist die Kirche durch andere Veranstaltungen weniger belastet, deshalb sollen diese Zeiten zur Ausstellung einzelner Arbeiten genutzt werden. Das Kuratorium nimmt Kontakt mit KünstlerInnen auf, wählt Arbeiten aus und plant verantwortlich die unaufgebbaren Vermittlungsangebote wie Erstbegegnungen oder Werkgespräche unter Beteiligung der KünstlerInnen.

 

Im Sinne einer größtmöglichen Vernetzung mit allen, die im Kirchenraum handeln, werden die Mitglieder der Dienstbesprechung und der Kirchenvorstand
informiert, damit Gelegenheiten zur Bezugnahme auf die ausgestellten Arbeiten
auch vielfältig genutzt werden können. Zudem werden die MitarbeiterInnen, die in der Ausstellungszeit Führungen in St. Sebald anbieten, gesondert auf die ausgestellten Arbeiten und deren Inhalte hingewiesen, damit auch bei normalen Kirchenführungen das Konzept Profil gewinnt.

 

Bezogen auf das Wandfeld Nord XII entscheidet das Team selbständig, da die Beteiligung zweier Hauptamtlicher der Sebalduskirche die größtmögliche Sensibilität mit den Gegebenheiten vor Ort garantiert. Geht es um Arbeiten, die
sich auf andere architektonische oder inhaltliche Orte des Kirchenraumes beziehen - also über das Wandfeld Nord XII hinausgreifen -, wird die
Zustimmung der Dienstbesprechung sowie des Kirchenvorstands eingeholt.

 


Dem Kuratorenteam gehören nun an:

Wolfgang Weber, Mesner an St. Sebald und Künstler,


Willi Stöhr, Pfarrer, Leiter der Stadtakademie


Günter Braunsberg, Kunsthistoriker und Publizist


Aus dem Sebalder Kirchenvorstand Christine Kayser und Dr. Tobias Mähner sowie aus dem erweiterten Kirchenvorstand Siglinde Handwerk.